Wohnen & Immobilien Sonntagsausgabe 3 Min. Lesezeit

Der goldene Käfig: Warum Bleiben sich lohnt – und Zügeln zur Kunst wird

Der «Verweilbonus» zwischen Bestands- und Angebotsmieten ist schweizweit auf rund 21 Prozent gestiegen. Was das für Mieterinnen und Mieter bedeutet – und warum sich der Blick ins eigene Netzwerk lohnt.

Wer lange in derselben Wohnung wohnt, zahlt spürbar weniger als jemand, der heute neu einzieht. Diese Differenz – der «Verweilbonus» – ist schweizweit von 14 auf rund 21 Prozent der Bestandesmiete gestiegen. Treiber ist laut Ursina Kubli, Leiterin Immobilien Research bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), vor allem der Anstieg der Angebotsmieten.

«Freier Wohnraum ist weiterhin knapp.»

Ursina Kubli, Leiterin Immobilien Research, Zürcher Kantonalbank

Genf vorne, Zürich über dem Schnitt

Regional klafft die Schere weit auseinander. Zwei Faktoren treiben den Verweilbonus: die Dynamik der Angebotsmieten und eine strenge Regulierung. In der Stadt Zürich liegt die Angebotsmiete durchschnittlich rund ein Drittel über dem Bestand, in Genf im Schnitt 58 Prozent.

21 %
Schweiz (Schnitt)
33 %
Stadt Zürich
58 %
Stadt Genf

Der goldene Käfig

Die Folge nennt Kubli den «goldenen Käfig»: Erscheint ein Umzug nicht mehr als gangbare Alternative, arrangieren sich viele mit der vorhandenen Wohnung. Junge Familien rücken bei Nachwuchs enger zusammen; Eltern, deren Kinder ausgezogen sind, bleiben in der zu grossen Wohnung.

«Der Zimmerverlust, respektive der Mietanstieg erscheint oftmals schlicht unattraktiv. Stattdessen lässt man ein Zimmer unbewohnt.»

Ursina Kubli
Der Smalltalk-Tipp

Wer wechseln will, sollte nicht nur Portale durchklicken. Kublis Rat: «Bevor man sich für einen Umzug entscheidet, lohnt es sich, im eigenen Netzwerk nachzuhören. Denn der Inseratemarkt zeigt nicht den ganzen Mietmarkt. Günstige Wohnungen werden häufig unter der Hand weitergegeben.»

Quelle: ZKB «Immobilien aktuell» 01-2026; schriftliche Antworten von Ursina Kubli, freigegeben von der ZKB-Medienstelle (29. Mai 2026).